Industrie 4.0 erfordert einen radikalen Kulturwandel

Industrie 4.0,Kulturwandel,Unternehmenskultur,industrielle Revolution,GeelhaarAlle Welt spricht von Industrie 4.0! Doch nur wenige Menschen begreifen, was das für ihr eigenes Unternehmen und damit auch für die Unternehmenskultur bedeuten wird. Dabei ist eines klar: Die informationstechnischen Veränderungen werden erheblichen Einfluss auf die Prozesse, die Strukturen und die Arbeitsorganisation in unseren Unternehmen haben. Was das genau bedeutet, können wir nur erahnen. Denn die Entwicklungsgeschwindigkeit und -fähigkeit der neuen Systeme steckt noch in den Kinderschuhen. Doch bietet das Wenige, was bereits erkennbar ist, viel Raum für Träume und Spekulationen.

Industrie 4.0 schön und gut, aber wo bleibt der Mensch?

Die Forschungseinrichtungen und IT-Unternehmen stehen in den Startlöchern und auch die Fördergeber öffnen zunehmend die Industrie 4.0 Geldhähne. Doch fehlt bei aller technologischen Begeisterung, die auch ich als Ingenieur pflege, die nötige Sensibilität für die sozialen und gesellschaftlichen Konsequenzen. Die vierte industrielle Revolution wird derzeit vor allem durch Technik-Begeisterung voran getrieben. Der Mensch, der letztlich jedes Unternehmen erfolgreich macht, spielt vielfach eine untergeordnete Rolle. Er hat der technischen Entwicklung zu folgen.

Das Positive von Industrie 4.0 nutzen, das Negative mildern

Der Nutzen von Industrie 4.0, also  der sogenannten Produktion der Zukunft, ist unbestritten.  Vieles wird besser, einfacher, transparenter, schneller und erfolgreicher werden. Vielleicht ist dieser Wandel auch gerade deshalb in einem Hochlohn-Land wie Deutschland notwendig. Um im internationalen Wettbewerb besser überleben zu können.

massenentlassungen,industrie 4.0,industrielle revolution,kulturwandelIndustrie 4.0 Experten erwarten zwar den Verlust sehr vieler Arbeitsplätze in der Produktion, zugleich aber auch die Entstehung neuer Berufsgruppen mit stärkerem IT-Bezug. Also eine gegenläufige Entwicklung alter und neuer Qualifikationen, allerdings in deutlich unterschiedlicher Größenordnung. Diesen Spagat geschickt und zum Wohle der Gesellschaft zu koordinieren, wird wohl eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen des nächsten Jahrzehnts werden.

Industrie 4.0 erzeugt einen gesellschaftlichen Umbruch

In wenigen Jahren wird Industrie 4.0 den Arbeitsalltag vieler Menschen dramatisch verändert haben. Und damit die gesamte Unternehmenskultur. Ob die Betroffenen das wollen oder nicht. Menschen werden durch immer intelligenter werdende Informationstechnik ersetzt, unterstützt oder überwacht. Der Anspruch an die Flexibilität jedes Einzelnen nimmt weiter zu. Die Anforderungsprofile werden sich radikal verändern. Und damit auch die Qualifizierungsbedarfe an Schulen und Hochschulen. Ich muss an dieser Stelle zugeben, dass mir, angesichts der Trägheit unseres Bildungssystems in Deutschland, manchmal die nötige Fantasie fehlt, wie der Bildungstanker innerhalb weniger Jahre neu ausgerichtet werden kann.

Das Interesse an Industrie 4.0 ist gewaltig

Was aber all das konkret für den Arbeitsalltag und das Leben der Menschen bedeutet, ist bislang nur zu erahnen. Sucht man nach DEN Industrie 4.0 Experten, ist der Zirkel bislang überschaubar. Es tauchen immer wieder die selben Namen auf. Unter anderem der von Prof. Detlef Zühlke aus Kaiserslautern, der bereits 2005 das Potenzial der Digitalisierung in der Produktion erkannte und damals die Technologieinitiative „SmartFactory KL e.V.“  gründete. Einen Zusammenschluss von mittlerweile 50 Unternehmen unterschiedlicher Branchen sowie einigen Forschungseinrichtungen.

industrie4.0,interesse,revolution,kulturwandel,unternehmenskulturDie Telefone solcher Experten laufen heiß. Immer mehr Unternehmen wollen besser verstehen, was auf sie zukommt. Immer mehr wollen an der Reise der vierten industriellen Revolution teilhaben. Wollen wissen, worauf sie sich vorzubereiten haben. Zumindest hinsichtlich der Informationstechnik, der Infrastruktur, der Arbeitsorganisation und der Gesamtprozesse.

Und auch die Investoren-Landschaft ist im Aufruhr. Sie stehen bei den wenigen IT-Schmieden Schlange, die den Trend bereits aufgegriffen haben. Sie wollen am Erfolg teilhaben und träumen vom großen Geld. Es gleicht einer Goldgräber-Stimmung, wie wir sie zuletzt in den 90er Jahren mit der New Economy erlebt haben. Was nicht nur gute Erinnerungen weckt …

Politische Weitsicht fehlt bislang

Die Politik springt ebenfalls mit großem Enthusiasmus auf das Thema Industrie 4.0 auf. Allerdings wenig reflektierend, was für gesellschaftliche Konsequenzen diese Revolution mit sich bringen wird und welche Rahmenbedingungen die Politik stecken muss. Stattdessen wird die Notwendigkeit für den Hightech-Standort Deutschland gepriesen und wahlkampftaktisch argumentiert: „Die Zukunft Deutschlands hängt davon ab!“. Da braucht es Mahner wie Richard David Precht, der von einer Talk-Show zur nächsten tingelt, um die Menschen und vor allem die Politiker wach zu rütteln. Denn eine Revolution zu fördern, ist das eine. Sie kontrolliert ablaufen zu lassen, ist die eigentliche Herausforderung.

Kulturwandel Industrie 4.0 aktiv gestalten

Nüchtern betrachtet ist das Schlagwort „Kulturwandel Industrie 4.0“ bislang noch eine hohle Phrase. Natürlich bringt jede größere Veränderung in Unternehmen auch einen Kulturwandel mit sich. So auch Industrie 4.0. Doch wie genau die Produktion der Zukunft ausschauen wird, ob die Visionen der komplett vernetzten Systeme eintreten werden, ist noch offen. Was aber klarer wird, sind die Entwicklungskorridore der nächsten Jahre. Unternehmen können und sollten zügig damit beginnen, sich auf die bevorstehende Revolution vorzubereiten. Und zwar technologisch UND kulturell. Denn nur eine hoch motivierte Belegschaft mit den richtigen Qualifikationsprofilen wird den Wandel erfolgreich bewältigen können.

In den kommenden Monaten werde ich deshalb auf meiner Website meinen persönlichen Beitrag dazu liefern, mehr Licht ins Dunkel des Kulturwandels Industrie 4.0 zu bringen. Wie sich Unternehmen aktiv auf die bevorstehenden Herausforderungen vorbereiten können. Und wie der Kulturwandel so geschickt eingeleitet wird, dass er von Anfang an profitabel und mit Begeisterung erfolgt. Trotz drohender Massenentlassungen oder sonstiger Schwarzmalerei.

Denn eines ist klar:
Der Kulturwandel Industrie 4.0 wird kommen

Dabei stellt sich nur noch die Frage, ob er aktiv zum Nutzen von Mensch und Unternehmen gestaltet wird. Oder ob ein Unternehmen und seine Belegschaft zu Getriebenen werden, mit allen negativen Konsequenzen. Surfen Sie elegant die große Welle oder werden Sie am Ende von ihr überrollt?

Bis bald…

Sven Geelhaar, Dr. Geelhaar

Es grüßt Sie vom Bodensee
Sven Geelhaar

 

 

P.S.: Neugierig auf mehr?